Lieber Ernst Keller - Heinz Kaiser

Lieber Manfred Jordan! Werte Jubiläumsgäste!

100 Jahre T S G V Albershausen - davon 50 Jahre Tischtennis in unserem Verein -

für unsere relativ kleine Abteilung ein stolzes Jubiläum!!

Dieses Jubiläum gibt nicht nur Anlaß diesen Geburtstag gebührend zu feiern, sondern bedeutet auch  Rückschau halten auf eine ereignisreiche bewegte Zeit.

 

Erlauben Sie mir, werte Festgäste, Ihnen diese 50 Jahre Tischtennis in bescheidener Form darzulegen und die einzelnen Stationen, ob erfolgreich oder nicht, aufzuzeigen.

1946- als der unselige Krieg tiefe Wunden in allen Bereichen des Lebens hinterlassen hatte und die Bevölkerung daran ging, das geschundene Land wieder aufzubauen und funktionsfähig zu machen, als der Sport sich aus der Niedergeschlagenheit zu lösen begann, da waren es junge, in die Heimat zurückgekehrte Kriegsgefangene, welche eine bisher unbekannte Sportart mitbrachten, die man  TISCHTENNIS nannte.

Vielen war es unverständlich, daß man sich mit einem kleinen weißen Ball und einem "Spatzenbrettle" sportlich betätigen konnte.

Man gab dem "PING-PONG" keine große Chance.

Doch ehrgeizige und im Dorf bekannte junge Sportler begeisterten sich für eine neue Abteilung im Verein.

So wurde die Tischtennis Abteilung Ende 1946 von Helmut Aichele, Theodor Blessing, Otto Hahn  und Otto Stegmaier gegründet. 1947 kamen Hans Maier und Fritz Biser dazu.  

Das erste Spiellokal war das Gasthaus „Rose“.

Mit diesen jungen Sportlern wurden auch die ersten Freundschaftsspiele ausgetragen( und zwar auf zusammengestellten Biertischen und einem Brett als Netz ).

1948 trat die Abteilung dem TTVWH bei und erhielt die ersten Spielerpässe.

In einem Nachtrag zu diesen Ausführungen ist zu lesen Zitat Fritz Biser:

„ Am 9. August 1948 stellte ich in der Geschäftsstelle des Württ. Tischtennisverbandes beim Geschäftsführer Willi Richter die ersten Spielerpässe für unsere TT-Abteilung aus und zwar für:

Helmut Aichele Nr. 153 / Fritz Biser Nr. 154 / Theodor Blessing Nr. 155 / Otto Hahn Nr. 156 / Otto Stegmaier Nr. 157.

Für Hans Maier und Josef Manz wurden die nächsten Pässe ausgestellt.

Mit diesen Passnummern wird dokumentiert, daß unsere Spieler zu den ersten in ganz Württemberg gehörten.

Als erster Abteilungsleiter wurde T.Blessing gewählt, welcher nach 1 Jahr von Hans Maier abgelöst wurde. Der wiederum nach kurzer Amtszeit die Abteilung an F.Biser übergab nach dem  H.Maier 1. Vorsitzender beim T S G V wurde.

Weiter in der Chronik zu entnehmen:

Damals gehörten wir noch zum Bezirk Esslingen, welcher die Landkreise Göppingen, Nürtingen und Esslingen umfaßte.

Fritz Biser führte die Abteilung mit eiserner Hand. Pünktlichkeit und Disziplin waren oberstes Gebot und manch junger Mensch konnte sein Rüstzeug fürs spätere Leben erhalten.

In den Anfangsjahren fuhren die „ Herrensportler “, so wurden die 6 Spieler um F.Biser genannt, in dessen Fiat Turbolino und später im VW zu den Pflichtspielen.

Das Geld war knapp, sowohl  privat als auch im Verein.

Es war selbstverständlich, daß die einzelnen Spieler Ihre Bälle, Schläger und die gesamte Spielkleidung selbst bezahlten. Man war froh, nun wenigstens in der Turnhalle spielen zu können. Ob die Halle für Training und Pflichtspiele auch Donnerstags und Samstags zur Verfügung steht??

Oder haben andere Abteilungen mehr Recht und Einfluß auf den Belegungsplan?? Diese Fragen stellten sich stets aufs Neue.

Man wußte, daß der Hauptverein alle Möglichkeiten zum Sparen ausnützen mußte. An Zuschüssen an die Abteilung war nicht zu denken. So finden wir eine Aktennotiz, welche bezeichnend für die damalige Zeit war:

Zitat:

Vor Beginn der Pflichtspiele 1956/57 wurden die Platten instandgesetzt, zwei Netze und eine neue Platte gekauft sowie die Beleuchtung in der Halle erneuert. Die gesamten Auslagen (ca. 500.-- DM ) wurden durch einen Totozuschuß in Höhe von 500,-- DM gedeckt.

Um Mißverständnisse zu beseitigen, wird festgehalten, daß dieses Geld zweckgebunden für die TT-Abteilung des TSGV Albershausen zugeteilt wurde.- Zitat Ende!

Diese damalige schwierige Situation war nicht nur bei uns in Albershausen zu verzeichnen, sondern tat sich auch bei anderen Vereinen auf. Bekannte TT-Abteilungen wurden wieder aufgelöst. Mit den verbleibenden Vereinen wurde kameradschaftlicher Kontakt gepflegt und gesellig nach Spielende zusammengesessen.

Unvergeßlich die verbissenen Kämpfe gegen FA-Göppingen, TSV Süßen und SC Weiler. Wobei man gerade in Weiler vor Spielbeginn im Saal des Gasthauses „Hecht“ die Wirtschaftstische und Stühle beiseite räumen mußte um überhaupt spielen zu können und daß man dann im Spiel die Bälle unter den Biertischen hervorsuchen mußte, bleibt eine Episode. Spaß und Freude gehörten dazu.

Oft kam auch immer wieder die Frage unserer Kontrahenten :“ Was heißt denn das „G“ beim TSGV“? Als wir erklärten, daß das Gesangverein heißt, da hieß es nur noch - Ach die vom Gesangverein - . Mit Konrad Mühlberger, Rolf Bay, Adolf und Ferdinand Pawel, Helmut Aichele und Fritz Biser wurde 1956 mit 30 : 2 Punkten der Aufstieg in die Bezirksklasse erkämpft. Der erste sportliche Erfolg, welcher der Abteilung einen ungeahnten Auftrieb verschaffte.

Nun mußte zu neuen Vereinen wie Notzingen, Frickenhausen, Baltmannsweiler und Esslingen gereist weder.

Nach Neugründung des Bezirkes „ Staufen “ 1958, an der Fritz Biser maßgeblich beteiligt war und dessen 1. Bezirksfachwart er wurde, übernahm Ferdinand Pawel die Abteilung. Diese führte er bis 1963 und übergab sie dann an Eugen Bay. Hierzu schrieb Fritz Biser: Eugen muß als Neuling einspringen, weil sonst keiner bereit war die Geschicke der Abteilung in die Hand zu nehmen.

Bereits 2 Jahre später legte Eugen Bay die Abteilung in die Hände der Generalversammlung, weil kein neuer Abteilungsleiter gefunden werden konnte.

Um überhaupt weiter spielen zu können und die Auflösung der Abteilung zu verhindern, sah sich Fritz Biser gezwungen, nochmals die Abteilungsführung zu übernehmen. Hierzu schrieb er später:

Im Dezember 1967 warte ich leider noch immer auf die „Wachablösung“. Es scheint beinahe als sei sie unter den Vermißten der Nachkriegsjahre. 18 Pflichtspiele haben wir bis jetzt durchgestanden. Eines ist leider festzustellen:

Das Verbindende von Spieler und seiner Familie oder dem Elternhaus fehlt gänzlich. Wir sind keine richtige Gemeinschaft mehr. Hier ist eine Lücke entstanden, besonders in unserer Einstellung zur Jugend.

Meine Damen und Herren, wahre Worte gesprochen schon vor langer Zeit.

Viele Jahre gingen seither ins Land. Die Abteilung ging durch wechselhafte Zeiten. Sportlich ein Auf und Ab. Excelente Spieler reiften heran.

· Dieter Kley - trotz Fußball ein erergischer Kämpfer

· Dietmar Ambrosch - ein Tischtennis Talent 1. Klasse

· Hansi Wild - explosiv und leistungsorientiert

· Wolfgang Stirnal - ein Kämpfer besonderer Art

· Rolf Bay - zuverlässig und Erfolgsgarant ( seine Vereinsmeistertitel sind kaum zu zählen)

 

Viele versuchten das Spiel mit dem weißen Ball. Darunter so bekannte Leute wie:

Kurt Hirsch / Gerhard Kälberer / Uli Roos / Jürgen Roos / Hugo Pfeiffer / Fritz Buss / Karl Hänssler / Gerhard Bergmann / Karl Dannenmann / Karl Schnell / Günter Skiweit / Uli und Dieter Necker. Für die meisten leider nur Zwischenstation zum großen Ball.

Adolf Pawel als engagierter Jugendleiter konnte trotz seines Einsatzes und seines Einflusses den Wechsel vieler ins Fußballager nicht verhindern.

Trotzdem war er zu seiner Zeit in der Jugendarbeit äußerst erfolgreich. Er legte mit seiner Arbeit den Grundstein für das Fortbestehen der Abteilung und den längst fälligen Generationswechsel.

Mit Rolf Kanzleiter, Dieter Kley, Dietmar Ambrosch, Hansi Wild, Wolfgang Stirnal und Wolfgang Allmendinger kam frischer Schwung in die aktiven Mannschaften, welche nun schöne Erfolge im Mannschafts- und Einzelsport erzielen konnten. 14 Abteilungsleiter waren für die wechselvolle Zeit der Abteilung verantwortlich.

Es waren dies: T.Blessing / H.Maier / F.Biser / E.Bay / R.Bay / W.Zeller / W.Allmendinger / K.-H.Sieder / D.Kley / M.Kiedaisch / G.Zeller / K.-H.Kranz und H.Zeller. Und jeder trug seinen Teil zum Erreichen des Kameradschaft und gegenseitiges Vertrauen und Achtung waren für die meisten  Abteilungsmitglieder oberstes Gebot.

Nicht umsonst sind noch heute mit den aktiven Spielern Helmut Aichele, Rolf Bay und Konrad Mühlberger Kameraden aus der Gründerzeit sportlich aktiv. Besonders unser Helmut erbringt eine Leistungsbereitschaft, welche auf Grund seines Alters - Er wird im August 70 Jahre alt- im ganzen Tischtennisbezirk als einmalig bezeichnet werden kann. Dir, lieber Helmut, gilt heute unsere besondere Hochachtung und unser Dank.

Kameradschaftlich mit der Abteilung verbunden sind nach wie vor Eugen Bay, Rolf Jüngling und Adolf und Ferdinand Pawel.

Stetige Impulse für die legendäre Kameradschaft in der Abteilung waren die jährlichen Vereinsmeisterschaften und die Abteilungsausflüge. Unvergessen die rote Laterne, gefertigt für den jeweils letzten Sieger bei den Vereinsmeisterschaften, mit der Verpflichtung diese bei jedem Ausflug mitzuführen.

Das es sich hierbei um eine Spezialanfertigung handeln mußte, ist wohl verständlich, denn neben dem Licht mußte noch genügend Platz für eine Flasche Bier sein, was ganz besonders für unseren alten, treuen Kameraden „Alfred“ wichtig war. Eingebunden in die Abteilungsaktivitäten wurden die Ehegatten und Freundinnen der Spieler bei den jährlichen Vereinsausflügen und Kameradschaftsabenden.

Garant für stets gute Stimmung war unser Rolf Jüngling, der neben Tischtennis auch für excelente Unterhaltung musikalischer Art sorgen konnte. Motor und Organisator war in der Anfangszeit auch hier Fritz Biser. Er hat von Beginn an erkannt, daß Geselligkeit ein wichtiger Teil des sportlichen Erfolges ist.

Leider kann unser „Fritz“, welcher für den TT-Sport in Albershausen und im Bezirk die „Kultfigur“ überhaupt war, nicht bei uns sein. Sein Gesundheitszustand läßt dies leider nicht zu. Von dieser Stelle aus gehen alle unsere guten Wünsche an ihn, in der Hoffnung auf eine erträgliche Zeit, wir werden seine Verdienste und Aktivitäten für unsere Abteilung nicht vergessen, die uns den Weg unseres geliebten Tischtennissports und der Kameradschaft gewiesen haben. In diesem Sinne darf ich, - meine sehr verehrten Gäste den ersten Teil unserer Tischtennischronik abschließen.

Bevor ich noch kurz auf die „Neuzeit“ unserer Abteilung eingehe, bleibt als Resümee die Frage: Wo stehen wir heute?

Werden die schwierigen Zeiten der Nachkriegsjahre überhaupt noch in unserem Gedächtnis bleiben? Sind die gravierenden Finanznöte der damaligen Zeit vergessen?

Wenn ich im Gemeindeblatt vom 15.06. diesen Jahres lese, daß sich die Damen der Frauenabteilung Montagsgruppe, welche das Landesturnfest in Ulm besuchten, für die finanzielle Unterstützung  beim Hauptverein wie folgt bedankten:

Ich zitiere: Dies alles hat uns der T S G V ermöglicht und finanziert, einschließlich eines großzügigen Taschengeldes. Zitat Ende, so kann man zurecht sagen: Eine andere Zeit !! Eine bessere Zeit ?? Wir hoffen es !!

Nicht nur der „Große Fußball“ oder andere populäre Sportarten profitierten vom „ Deutschen Wirtschaftswunder “. Auch der TT-Sport fand verstärkt Einzug in unsere Region. Die TT-Abteilung Albershausen erhielt ihren entscheidenden Antriebsschub 1967 durch die wieder Inbetriebnahme der neu erbauten Turn- und Festhalle.

Ideale räumliche Voraussetzungen brachten uns Jahr für Jahr neue Jugendliche und Erwachsene Mitglieder. Der Versuch, in dieser Zeit eine Damen abteilung zu gründen, schlug allerdings fehl. Lag es an der nicht ganz leichten Sportart Tischtennis, oder hatte bis dahin das Schlagwort „ Emanzipation “ in unserer Abteilung noch nicht den richtigen Stellenwert erhalten? Diese Frage bleibt bis heute offen.

Der stetige Zuwachs an aktiven Mitgliedern veranlaßte uns in der Saison 1974/1975 4 Herrenmanschaften am Spielbetrieb teilnehmen zu lassen. Einen riesen Erfolg erzielten unsere 1. Herrenmanschaft im Spieljahr 1976/77. Das Team mit Dieter Kley, Dietmar Ambrosch, Rolf und Eugen Bay, Wolfgang Stirnal und Hansi Wild konnten sich als Sieger in der Bezirksklasse feiern lassen und stiegen mit dieser gelungenen Meisterschaft in die Bezirksliga auf.

Im gleichen Jahr glückte uns auch im 2. Anlauf die Gründung unserer Damenabteilung.

Anfangs vom „starken Geschlecht“ belächelt, entwickelten sich die Damen zu gleichwertigen Gegnern im Bezirk. Mit hervorragenden Leistungen bewiesen und beweisen sich Spielstärke und Zusammenhalt, wobei vor allen Dingen unsere Gudrun Zeller immer Motor und Antrieb war.

Auf all diese sportlichen und kameradschaftlichen Erfolge setzte ein enormer Motivationsschub ein, so daß wir in der darauffolgenden Saison 4 Herren, 1 Senioren, 2 Damen, 2 Mädchen, 2 Jugend und 1 Schülermannschaft zum Spielbetrieb anmelden konnten. Hervorragende Plazierungen am Ende der Spielrunden bewiesen Kampfgeist und Siegeswillen.

Mit wechselhaften Erfolgen in den darauffolgenden Jahren stabilisierte sich die Abteilung immer wieder mit Spielern aus der eigenen Jugend. Selten standen auswärtige Spieler in unseren Diensten.

Bevor ich nun zum Schluß meiner Ausführung komme, sollen all die Männer und Frauen nicht unerwähnt bleiben, die bis heute an vorderster Front, ob Abteilungsleiter, Jugendleiter, Kassier oder sonst in einer Funktion stehend ihren Dienst tun. Ihnen gebührt ebenfalls Dank und Anerkennung.

Ein dickes Lob noch zusätzlich an unseren derzeitigen Abteilungsleiter Harald Zeller, der es mit seiner Mannschaft hervorragend versteht, die Geschicke der Abteilung zu steuern und zu lenken.

Ferner gilt der Dank den Verantwortlichen unseres Hauptvereines, voran ihrem Vorstand Manfred Jordan, die die Anliegen der Tischtennis-Abteilung immer unterstützen und fair behandeln.

Werte Jubiläumsgäste!!

Ich bin nun am Ende meiner Chronik „50 Jahre Tischtennis in Albershausen „. Sicherlich kann eine solche Darstellung nie vollständig sein. Deshalb möchte ich sie, liebe Jubiläumsgäste, auf die Festschrift „100 Jahre TSGV“ hinweisen. Darin finden Sie sicherlich noch interessante Darstellungen über unsere Abteilung und den Gesamtverein.

 

Werte Festversammlung!

Hoffnungsvoll und zuversichtlich blicken wir in die Zukunft. Möge weiterhin unserem geliebten TT-Sport Erfolg beschieden sein. Möge er in sportlichem Geist  gedeihen und sich kontinuierlich weiterentwickeln und möge immer „ geeignetes Personal “ zur Verfügung stehen, die das Abteilungsschiff stets in ruhige Gewässer leitet. All das wünschen wir uns für die Zukunft und die nächsten „50 Jahre“!!

 

Adolf Pawel, Harald Zeller  22.06.1996